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 Als Eva ihrer Mutter ein Kleid aussuchen durfte

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BeitragThema: Als Eva ihrer Mutter ein Kleid aussuchen durfte   Fr Jul 16, 2010 2:46 pm

Träumerle
oder
Als Eva ihrer Mutter ein Kleid aussuchen durfte


Evas Eltern sind heute zu einem Sommerfest eingeladen. Wie immer steht die Mutter vor dem gut gefüllten Kleiderschrank und weiß nicht was sie anziehen soll. Die kleine Eva sitzt auf dem Bett und schaut der Mutter beim Anprobieren zu. Wie bei einer Modenschau führte Ihre Mutter die Kleider vor.
Zuerst einmal nimmt sie ein schweres Dunkelgrünes Samtkleid aus dem Schrank. Eva schaute in den Spiegel, vor dem sich die Mutter fröhlich drehte.
Da erblickte sie eine Wirbel der immer näher kam und plötzlich stand vor ihr ein lustiges kleines Männchen, das Träumerle. Das Traümerle war lustig gekleidet. Es trug ein spitzes Hütchen und einen Sternenumhang, dazu ein paar spitze Schuhe mit einer Sternenschnalle. Oh wie war dieses Männlein lustig anzuschauen.

Das Träumerle nahm Eva an die Hand und zog sie in den Spiegel. Sie gingen beide einen langen Gang entlang bis sie zu einer Tür kamen, auf der die Zahl 1600 stand.



Eva und das Träumerle befinden sich in einem Raum, in dem große, schwere und dunkle Möbel stehen. Bilder hängen an den Wänden, auf denen nur Köpfe zu schweben schienen. Durch den dunklen Raum schwebt ein Kopf auf einer gekrausten Scheibe und zwei Hände auf sie zu. Doch bei genauem hinsehen, erkannte Eva eine Frau die unter der Last ihres Kleides zusammenzubrechen drohte.

„Hallo kleine Eva, du bist hier am spanischen Hof. Wie findest du meine Mode? Mein Kleid besteht aus teuren Seiden- und Brokatstoffen und ist mit Gold- und Silberfäden durchwirkt.“ Das dunkle Kleid aus schwerem Stoff, spannte sich über den geschnürten Oberkörper und einen kegelförmigen Reifrock.
„Mein Korsett besteht aus Eisenstäben und ist über der Brust mit Bleiplatten verstärkt. Auch mein Reifrock besteht aus Eisen. Die Verzierungen aus Edelsteinen lenken den Blick nach oben zu meiner Halskrause aus handgefertigter Spitze. Das lange Haar wurde mir nach oben gekämmt und unter einer Haube, der Toque, verborgen. Denn nur mein Gesicht allein ist wichtig. Na, wie wär’s?“
Eva schüttelte entsetzt den Kopf. So nahm die Mutter ein weiteres Kleid aus dem Schrank. Ihr Lieblingskleid, das pastellfarbene mit den vielen Rüschen. Welches auch Eva ganz toll findet.

Diesmal führte das Träumerle Eva ins 17. Jahrhundert.
Sie befanden sich in einem Zimmer was recht prunkvoll eingerichtet war. An den Fenstern hingen schwere Seidenvorhänge. Im Raum stehen ein Seidengepolstertes Ruhebett, Stühle, eine Kommode ein Schrank und ein Spiegel und das alles schön verschnörkelt.



Durch die Tür schiebt sich eine Frau, die sichtlich Schwierigkeiten damit hatte, wegen ihres riesigen Reifrockes. Auf dem Kopf trägt sie eine Turmhohe Frisur mit einem kleinen Hütchen darauf. „Guten Tag, liebe Eva ich bin die Rokokodame. Ich mag es meine körperlichen Reize zur Geltung zu bringen. Daher trage ich gern weit gebauschte Reifröcke, mit Spitzen und Rüschen. Ich putze mich gern mit künstlichen Blumen und Schleifen. Schön ist auch das eng geschnürte Mieder, das meinen Brustansatz frei lässt. Gern trage ich auch halblange Ärmel mit Spitzenmanschetten. Wie findest du mein Halsband aus schwarzem Samt und dem Amulett?“ Am lustigsten fand Eva aber das Schönheitspflästerchen, für das die Rokokodame nach einer geeigneten Stelle suchte um es zu platzieren. Hier her oder lieber dorthin mit dem Schönheitspflästerchen, was meinst du liebe Eva? „Die prächtigen Kleider in Pastellfarben und den verspielten Mustern trage ich auf bloßem Oberkörper, Unterwäsche gilt als unfein. Mein Luxus sind die Seidenstrümpfe und die schönen verzierten Strumpfbänder. Willst du mal schauen? Magst du auch Schminke und Starke Parfüms? Und gefällt dir meine Mode?“
Während sie das so sprach, puderte sie sich die ganze Zeit mit einer riesigen Puderquaste Eva jedoch dachte, ganz schön viele Fragen auf einmal. Und als sie so an die Unterwäsche dachte, schüttelte sie abermals den Kopf. Und die Mutter schlüpfte in ihr blaues Baumwollkleid.

Da brachte das Träumerle Eva den langen Gang entlang direkt vor eine Tür, auf der die Zahl 1820 stand.



Der Raum war sehr behaglich eingerichtet. An den Fenstern waren freundliche Gardinen angebracht und in ihm standen schlicht gearbeitete Möbel auf einem bunten Teppich. Auf dem Tisch lag eine Tischdecke mit langen Fransen und darauf stand eine Petroleumlampe. Der Kachelofen verbreitete eine behagliche Wärme. Vom Plüschsofa erklang eine Stimme. „Guten Tag, kleine Eva. Ich bin das Fräulein Biedermeier. Ich trage gern Baumwollkleider und ich finde nichts dabei dazu echten Schmuck zu tragen. Wenn ich ausgehe trage ich einen Schutenhut und dazu einen Capemantel oder Schal. Mein Rock ist weit schwingend und fußfrei. Meine Mama trägt gern Spitzenhäubchen, ich aber mag die Spitzen an meinen Unterhöschen. Die unter meinem Rock hervorschauen. Sehr fraulich wirkt die geschnürte Taille, der Schulterkragen und Blenden, sowie der Keulenärmel, deren größte Weite am Ellenbogen liegt. Sehr schön finde ich auch den tief herabgezogenen Ausschnitt. Viel Arbeit erfordern jedoch die vielen Unterröcke, die die Weite des Rockes bringen. Wie findest du meine Mode?“
Da Fräulein Biedermeier ganz schön pummelig aussah, schüttelte Eva abermals mit dem Kopf. Die Mutter schlüpfte in ein enges schwarzes Kleid.

Und plötzlich fand sich Eva vor einer Tür wieder auf der die Zahl 1920 stand.



Als beide das Zimmer betraten kam Eva sehr viel bekannt vor. „Schau mal Träumerle, solch ein schönes Buffet, so eine Anrichte, das Musikschränkchen und so ein herrliches Sofa das hat meine Uroma auch.“ Alles war etwas moderner als bei Biedermeiers. Elektrischen Strom gab es auch schon. Eine Stehlampe bereitete behagliches Licht und aus einer Ecke des Raumes erklang Musik. Aber eines würde Eva hier sehr vermissen den Fernseher, den gab es nämlich zu dieser Zeit noch nicht. In den Raum trat eine schlanke Frau, mit Bubikopf und ganz schön braungebrannt. Sie trug genau so ein enges Kleid wie Evas Mutter.
„Oh Eva, ganz schön stressig der Tag! Morgens ein Sportgirl und abends eine Schönheit. Ich komme gerade vom Tennis und gleich geht’s wieder los ins Theater.“ Sie ging ins Schlafzimmer, um aus ihrem Schrank das gerade, kurze Hemdkleidchen zu nehmen. Sie verzierte es mit Spitzenvolants und Seidenrüschen. Eva wollte gerade zustimmend nicken, da sagte die Frau: „Oder doch lieber das enge Kostüm, den Fuchspelz und den Hut? Was meinst du kleine Eva?“
Das fand Eva fürchterlich und schüttelte wiederum mit dem Kopf. Die Mutter war echt ratlos.

Da ging Eva an den Schrank, gab ihr das schicke enge Kostüm. Darüber legte sie einen pastellfarbenen Seidenschal und sagte: „Jetzt haben wir alle beisammen. Das enge Kostüm, das die Frau der 20ziger Jahre so gern trug. Den Schal, den Fräulein Biedermeier so mochte. Die Pastellfarben der Rokokodame und die Seide der spanischen Weltmode.“ Die Mutter staunte nicht schlecht darüber, was ihre kleine Eva so alles wusste. Das Erlebnis mit dem Träumerle blieb allerdings ihr Geheimnis. Die Mutter legte noch schnell ihre Perlenkette um. Nun konnte Eva beruhigt zu ihrer Oma gehen, worauf sie sich schon den ganzen Tag gefreut hat. Ihre Eltern brachten sie dorthin und machten sich vergnügt auf den Weg zum Fest..
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