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 Lillis erster Ball

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BeitragThema: Lillis erster Ball   Di März 29, 2011 9:49 am

Diese Geschichte fand ich in einem ganz altem Buch und fand sie sehr schön. Natürlich war sie viel komplizierter geschrieben. So wie man eben 1875 geschrieben hat. darum hab ich mir die Mühe gemacht und Euch diese schöne Geschichte vereinfacht hier aufgeschrieben.


Lillis erster Ball

Elisabeth ist ein junges Fräulein von 13 Jahren, das zu einer Zeit lebte, als noch ein König regierte. Von ihren Eltern wurde sie liebevoll Lilli genannt. Ihr Vater war Förster und daher lebten sie tief im Wald. Wenn sie morgens zur Schule ging, lauschte sie dem Rauschen der Baumwipfel im Wind, dem Zwittschern der Vögel, sang oder pfiff vor sich hin. Diesen Weg genoss sie immer mit allen Sinnen.



Im Winter aber, da zog Lilli zu ihrer Großmutter in die Stadt, da es früh dunkel wurde und der Weg zur Schule ihr Angst machte. Aber zu der Zeit fiel auch noch viel Schnee und der Wald und seine Wege schneite zu und der Weg wäre lang und beschwerlich. Ihre Großmutter die Frau Posträtin gehörte zur feineren Gesellschaft und daher wartete ein ganz anderes besonderes Leben auf Elisabeth, die auch von ihrer Großmutter liebevoll Lilli genannt wurde.

Ihre Großmutter hatte die Aufgabe Lilli auf ihr späteres Leben vorzubereiten. Zu den Pflichten der kleinen Dame gehörte es dann Klavierspielen zu lernen, an ihrer späteren Austeuer zu nähen und zu sticken und tanzen zu lernen.



So kam es, dass Lilli fleißig Klavierstunden nahm und zum Tanzkurs ging, weil das den Männern der feineren Gesellschaft so gefiel. Nebenher bestickte sie noch Deckchen und Taschentücher mit ihrem Monogramm, oder nähte sich Bettwäsche und andere Dinge, die man in seinem späteren Leben so brauchte. Denn nur mit einer reichen Aussteuer wurden die Mädchen für einen Mann interessant, jedenfalls in der besseren Gesellschaft.



Jeden Dienstag freute sich Lilli auf Hanna, ihre Klavierlehrerein, mit der sie sich richtig toll verstand. Sie konnte inzwischn schon so gut spielen, dass ihre Großmutter mächtig stolz auf sie war. Aber auch auf den Donnerstag freute sich Lilli jede Woche, denn dann ging es zum Tanzen. Und schon bald sollte Lilli auf ihren ersten Ball gehen, einen Kostümball.

Auf ihrem Weg zur Schule, da kam Lilli immer an einem Geschäft vorbei, wo sie das einzig richtige Kostüm hängen sah. Mit ihrem pechschwarzen langen lockigen Haaren, kam nur das knallrote Zigeunerkostüm für sie in Frage. Als sie der Großmutter davon berichtete, war diese nicht sonderlich erfreut darüber. Denn für ein Mädchen ihres Standes, schickte sich so etwas nicht. Zu ihren Mittänzerinnen zählten schließlich Professorentöchter, Pfarrerstöchter, die Tochter eines Studienrates und sogar eine Baroness. Die Großmutter konnte sich aber Lilli sehr gut als Bauernmädchen, Schäferin, Rotkäppchen, Ritterfräulein oder Blumenmädchen vorstellen. Diese Vorschläge zauberten ein Lächeln auf Lillis Gesicht und veranlassten sie zum Scherzen. Was die Großmutter widerum veranlasste noch einen drauf zu setzen. "Lillichen, zieh doch am Besten Dein rosa Ballettröckchen mit den rosa Schühchen an, darin wirst Du glänzen." sagte sie. Die Frau Posträtin hatte aber auch begriffen, dass an Lillis Entschluss nicht zu rütteln war. Stand auf und holte einen roten Lederbeutel. Diesen füllte sie mit Geldstücken, damit Lilli sich ihr Kleid kaufen konnte. Noch eine Tanzstunde und dann ist es soweit. Lillis erster Ball steht bevor.



Noch heute möchte sie in die Stadt und sich ihr Kostüm kaufen. Bevor sie den Laden betrat, begutachtete sie noch einmal das wunderschöne Kostüm im Schaufenster. Dabei bekam sie eine Unterhaltung zwischen zwei Frauen mit. Eine Stimme kannt Lilli ganz genau, die von Hanna. Sie klagte: "Mein Bruder ist Spieler und die Schulden bedrücken die ganze Familie sehr. Ich selber arbeite am Tag als Lehrerin und gebe am Nachmittag noch Klavierstunden. Aber das alles nütze nichts, da der Bruder immer weiter spiele. Jeder in der Familie ist bemüht zusätzlich Geld zu beschaffen, nur der Bruder nicht." Dieses Gespräch machte Lilli sehr nachdenklich.

Sie ging nach Hause und versteckte ihren roten Geldbeutel im Schrank unter ihren Sachen. Die Großmutter jedoch wunderte sich. Kein Kostüm, das Kind so ruhig und nachdenklich, fragte aber nicht weiter.

Der Ball rückte immer näher und Lilli wurde immer nachdenklicher. Dann kam ihr die Idee, sie spendete ihr Geld. Sie würde es Hanna geben um die Schulden des Bruders zu bezahlen. Aber sie würde ihr gern mehr geben, und als sie so durch die Stadt ging und sie die vielen kleinen Blumenverkäufer sah, da hatte sie die Idee.

Sie wollte dem Ball fernbleiben und musste doch hin. Ihre Großmutter bohrte: "Wann ziehst Du denn nun Dein tolles Kostüm an, ich möchte Dich gern bewundern." Aber Lilli log ihre Großmutter an , "Es geht mir nicht gut, ich bleibe heut zu Hause." und schlich sich heimlich, still und leise fort.

Die anderen Damen trafen sich zum Ball. Schäferinnen, Bauernmädchen, Rotkäppchen, Burgfräuleins, Prinzessinen und auch Ballettmädchen schwebten die große Freitreppe zum Ballsaal hinauf. Aber unten an der Freitreppe stand eine kleine Blumenverkäferin in einen dunklen Mantel und einen roten Baschlik (Kapuzenschal) gehüllt, versteckt hinter einer schwarzsamtenen Halbmaske. Über dem Arm hing ein Korb gefüllt mit Veilchensträußen, der sich zusehends leerte. Das Geld steckte die kleine Verkäuferin in einem kleinen roten Geldbeutel.


Auch die Älteren veranstalteten Kostümbälle, wo sie sich köstlich amüsierten.

Als alles verkauft war, machte sich das kleine Blumenmädchen auf den Weg zu ihrer Klavierlehrerin, hängte den Geldbeutel an die Türklinke und klopfte zaghaft an die Tür und verschwand still und leise. Die Familie wunderte sich woher das Geld wohl käme. Nur Hanna wusste es, sie hatte Lilli gesehen, wie sie ihrem Gespräch gelauscht hatte.

Am anderen Morgen klingelte es bei Lillis Großmutter an der Tür. Hanna und ihre Familie wollten sich bei Lilli bedanken. Großmutter weckte sie und strahlte. Sie war von Stolz erfüllt. Aber nicht nur sie, auch Lilli fühlte sich erfüllter, als wenn sie den ganzen Abend durchgetanzt hätte.




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